schlechtes Timing

Von einem belgischen Schokoladenproduzenten, den ich bisher sehr schätzte, kam heute ein Newsletter mit Sonderangeboten nur für Russen:
„Zaabar love Russia
To celebrate the love of chocolate, Zaabär offers a promotion for Russian chocolate lovers to discover the large range of our products. We offer you a 20 % reduction coupon for you next order.“
Den Zeitpunkt dieser Rabattaktion finde ich etwas verstörend, habe aber so immerhin einen guten Grund, einen weiteren Newsletter abzubestellen.

Nichts verstanden?

Auf dem Moderationstisch stehend kündigte Caren Miosga gestern den tagesthemen-Bericht zum Tode von Robin Williams an. Eine wunderbare Geste, aber Ingo Zamperoni spricht dann von „Drogensucht“ und „Selbstmord“, zwei Begriffe, die nicht wirklich in einen Bericht über das Leben eines Menschen passen, der an der oft tödlichen Krankheit Depression litt. Vor Jahren stellte sich ein bekannter Sportler vor einen fahrenden Zug und oft hieß es anschließend in den Medien, man wolle den Umgang mit der Krankheit ändern. Es scheint nicht viel passiert zu sein.

Greta Taubert – Apokalypse jetzt!

Ich habe nur bis Seite 42 gelesen, dann habe ich das Buch genervt zur Seite gelegt. Das Ganze wurde als Selbstversuch angekündigt, ist aber eher eine journalistische Arbeit. Während eines Apokalypse-Selbstversuchs durchs Land zu fahren und Leute zu befragen, läßt den Selbstversuch nicht wirklich ernstgemeint erscheinen.
23.05.2014-02.06.2014

Ernst Haffner – Blutsbrüder

In einfacher Sprache und mit der angenehmen Distanz einer Reportage wird das Leben von Jugendlichen geschildert, die sich um 1930 ohne familiären Rückhalt durchs Leben schlagen. An der neuen Ausgabe des 1932 erstmals erschienenen Romans stören mich nur zwei Dinge: die jeweils am Kapitelanfang eingestreuten Fotos und der neue Titel, der sich wohl besser vermarkten läßt als das Original ‚Jugend auf der Landstraße Berlin‘, aber auch – vielleicht ungewollt – dem Roman einen anderen Schwerpunkt gibt.
28.04.2014-23.05.2014

Kunst oder Schrott?

In Zürich wurde an prominenter Stelle ein aus Rostock importierter Hafenkran aufgebaut, und nun streitet die halbe Stadt über diesen Kran. Die Kritiker sehen in ihm einen teuren Schrotthaufen, der das Zentrum verschandelt. Die Befürworter des Projekts haben viele Argumente, das Projekt als Kunst zu werten. Aber wozu braucht man in diesem Fall die Frage „Ist das Kunst?“ Wäre das Aufstellen des Krans ohne das Label „Kunst“ denn selbst in den Augen der Befürworter nicht akzeptabel? Oder braucht man das Label, um die Kritiker zu überzeugen? Und falls dem so wäre, warum würden Menschen etwas anders bewerten, nur weil jemand das Label „Kunst“ draufgeklebt hat? Wenn wir ein und dasselbe Objekt mal als „Schrott“ und mal als „Kunst“ bezeichnen, handelt es sich dann wirklich nur um genau ein Objekt? Falls wir zwei Objekte vor uns hätten, was würde uns das über die „Wirklichkeit“ oder unserer Wahrnehmung sagen? Und wenn es nur ein Objekt gäbe, würden dann diejenigen falschliegen, die einen Schrotthaufen sehen? Oder die, die Kunst sehen? Und wären die, die beides drin sehen können, verrückt? Wenn wir uns im Recht sehen und die anderen liegen falsch oder sind verrückt, was sagt uns das über die „Wirklichkeit“ oder unsere Wahrnehmung? Könnten wir uns dann vielleicht sogar glücklich schätzen, zu den Verrückten zu gehören? Und wenn wir in diesem Fall der festen Überzeugung sind, auf der „richtigen“ oder „vernünftigen“ Seite zu stehen, gelingt uns das immer? Oder liegen wir auch mal falsch? Und würden wir das erkennen? Wären wir manchmal sogar verrückt, ohne es zu merken?
Ist der Kran nun Kunst oder Schrott? Mir ist das egal, nennt mich verrückt, aber ich finde ihn wunderschön! Und vielleicht antwortet man auf die besonders bei Cholerikern, die sich für eloquent halten, beliebte Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ einfach mit „Nein!“